Wie sieht der Arbeitsalltag einer Persönlichen Assistentin aus? Eine Mitarbeiterin der WAG erzählt, wie sie ihren Kunden bei einem selbstbestimmten Leben unterstützt – und warum die Förderung von Persönlicher Assistenz auch über ihre berufliche Sicherheit entscheidet.
Frau M. arbeitet als Persönliche Assistentin bei einem Kunden in Niederösterreich. Sie ist bei der WAG für 20 Wochenstunden angestellt. Ergänzend zum Artikel in der NÖN sprechen wir mit ihr über ihren abwechslungsreichen Arbeitsalltag, die Zusammenarbeit mit ihrem Kunden und ihre Sorge um den Arbeitsplatz.
Frau M., wie beginnt ein typischer Arbeitstag bei Ihnen?
„Einen schönen guten Morgen! Ich richte Medikamente und Kaffee und bin gleich wieder bei Ihnen!“ So beginnt mein Frühdienst.
Danach helfe ich beim Duschen, assistiere beim Anziehen und führe das Frühstück zum Mund. Ich sage hier bewusst nicht „füttern“: Mein Kunde ist ein erwachsener Mensch und soll auch entsprechend angesprochen und behandelt werden.
Dann geht es je nach Vorhaben meines Kunden weiter: Arztbesuch, Amtstermin, Körperpflege, Haushalt, Einkauf, Korrespondenz am PC oder Telefon, handwerkliche Tätigkeiten. Im Abenddienst begleite ich ihn etwa zu einem Seminar oder Schachturnier. Auch Unterstützung beim Hausaufgabencheck des Kindes oder bei gemeinsamen Brettspielen mit dem Nachwuchs gehören dazu. Später stehen vielleicht Abendessen, Abendhygiene und das Zubettgehen an.
Ein buntes Sammelsurium an Möglichkeiten, die das Leben bietet und fordert. Ich unterstütze dort, wo mein Kunde Tätigkeiten im Moment oder generell nicht aus eigener Kraft ausführen kann.
Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Ich bin keine Betreuerin und auch keine Pflegerin. Ich unterstütze bei der Körperpflege, ich helfe im Alltag, ich assistiere bei der Ausübung der Rolle als Elternteil, ich unterstütze bei der Mobilität und vieles mehr.
In der Zeit, die ich mit meinem Kunden verbringe, unterstütze ich ihn dabei, seine eigenen Vorhaben umzusetzen und selbstbestimmt zu leben.
Wie lernt man, welche Unterstützung ein Mensch braucht?
Die Einschulung erfolgt durch den Kunden, seine Familie oder ein bestehendes Assistenzteam. Es ist möglich, ohne Vorkenntnisse als Persönliche Assistentin einzusteigen.
Mein Kunde sagte einmal: „Ausgebildeten Kräften passierte es öfter mal, dass sie mich übergehen, z. B. bei den Bewegungen meiner Arme oder Beine. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sie ihren gelernten Beruf ausüben. Persönliche Assistenzen sind da oft viel aufmerksamer.“
Welche Vorteile bietet Ihnen die Anstellung bei der WAG?
Als Angestellte der WAG erhalte ich zweimal im Jahr Sonderzahlungen und habe Anspruch auf bezahlten Urlaub. Die WAG übernimmt die Personalverrechnung und die Buchhaltung. Uns Persönlichen Assistent:innen wird außerdem ein kostenloses und buntes Programm an Workshops, Seminaren und Infotagen geboten.
Was hat sich durch Ihre Arbeit an Ihrem Blick auf den Alltag verändert?
Mir ist durch meine Arbeit bewusst geworden, mit welcher Selbstverständlichkeit wir durch das Leben gehen. Sei es, sich sprachlich verständlich machen zu können, den Spalt zwischen Bahnsteig und Zug zu überwinden, die Schachfiguren selbst zu ziehen oder sich die Zähne zu putzen. Ich könnte endlos weiter aufzählen.
Dabei erlebe ich, wie wichtig die passende Unterstützung ist, damit mein Kunde seinen Alltag nach seinen Vorstellungen gestalten kann.
Wie wirkt es sich auf Sie aus, wenn Ihr Kunde benötigte Assistenzstunden nicht finanzieren kann?
Wegen hoher Selbstbehalte musste mein Kunde die Nutzung seiner vom Land monatlich genehmigten Assistenzstunden drastisch reduzieren – um etwa ein Drittel.
Seit ich für mich einen Plan B zurechtgelegt und diesen auch mit meinem Kunden besprochen habe, hat sich meine Anspannung etwas gelegt. Trotzdem habe ich immer noch Angst um meinen Job.
Was möchten Sie den Leser zum Abschluss mitgeben?
Menschen mit Behinderungen haben wie alle anderen Menschen das Recht, selbstbestimmt zu leben. Im Vordergrund sollte der Mensch mit seinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen stehen.
Ein Rollstuhl ist keine Fessel – er bringt Mobilität und Freiheit. Und Persönliche Assistenz muss mehr ermöglichen als die notwendigen Verrichtungen des Alltags. Es geht auch darum, eigene Entscheidungen zu treffen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Vielen Dank, Frau M., für den Einblick in Ihre Arbeit und Ihre persönlichen Erfahrungen.
Ihre Schilderungen zeigen: Eine ausreichende Finanzierung Persönlicher Assistenz ermöglicht Selbstbestimmung und schafft Sicherheit für die Menschen, die in diesem Beruf arbeiten. Die WAG setzt sich deshalb für eine bedarfsgerechte und langfristig gesicherte Finanzierung Persönlicher Assistenz ein.
Lesen Sie den Artikel „Ohne Persönliche Assistenz ist mein Leben für mich nicht zu meistern“, in dem der Kunde die aktuelle Situation schildert. 28.10.2026 Onlineausgabe der NÖN.

