WAG Nachrichten

Rückblick und Ausblick: Persönliche Assistenz weiterdenken

Podiumsdiskussion mit Roswitha Schachinger, Ulrike Königsberger-Ludwig, Ffranz-Joseph Huanigg, Bernadette Feuerstein, Martin Ladstätter

Anlässlich des 15jährigen Bestehens der WAG Assistenzgenossenschaft wurde am 25. September 2017 laut und multimedial über Persönliche Assistenz nachgedacht. Unter dem Motto „Persönliche Assistenz weiterdenken“ kamen Politiker_innen, Fördergeber, der WAG-Vorstand, Kund_innen und Persönliche Assistent_innen, zu Wort. Einhelliger Tenor des Abends: „Persönliche Assistenz ist ein Erfolgsmodell.  Was fehlt: finanzielle Mittel und eine bundeseinheitliche Regelung.

 Vergangenheit und Visionen

 

Vorstand: Roswitha Schachinger, Martin Bolkovac, Andreas Pöschek mit Martin Ladstätter im Gespräch

„Noch einmal 15 Jahre warten, dass Persönliche Assistenz bundesweit für alle Menschen mit Behinderungen in Anspruch genommen werden kann, dafür fehlt mir die Geduld“, erklärte Roswitha Schachinger im Vorstandsgespräch, als sie nach ihren Visionen für die WAG Assistenzgenossenschaft gefragt wurde und schloss an: „Ich gebe so lange keine Ruhe, bis Persönliche Assistenz umgesetzt wird!“

Andreas Pöschek ging auf die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Regelung für Persönliche Assistenz ein und konkretisierte die Zukunftsvision so: „Es soll für die Kund_innen der WAG Assistenzgenossenschaft nicht mehr spürbar sein, ob sie Persönliche Assistenz für die Arbeit oder für den Alltag zu Hause, in Wien, Niederösterreich oder im Burgenland in Anspruch nehmen. Die WAG Assistenzgenossenschaft soll hier ein Bindeglied sein und die Interessen aller Menschen mit Behinderungen vorantreiben.“

Dass Persönliche Assistenz auch mit der Umstellung auf Anstellungsverhältnisse finanziell abgesichert sein muss und dass sich die WAG Assistenzgenossenschaft dafür einsetzt, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Behinderungen zukünftig Persönliche Assistenz nutzen können sollten, betonte Martin Bolkovac.

Die vier wichtigen B-s

Christoph Dirnbacher und Manfred Pallinger

Die wichtige Rolle der WAG Assistenzgenossenschaft bei der Entwicklung der Richtline für Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz betonte Dr. Günther Schuster vom Sozialministeriumservice. Er wies darauf hin, dass Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz ein wesentliches Instrument ist, mit dem Menschen mit Behinderungen ihre Qualifikationen realisieren können. Aus dem Sozialministerium überbrachte Manfred Pallinger Grußworte und betonte das Angebot der Peer-Beratung der WAG Assistenzgenossenschaft. Er ermutigte zu vier „B“s: Bildung, Beschäftigung, Barrierefreiheit und Beharrlichkeit für Menschen mit Behinderungen.

Persönliche Assistenz ganz persönlich

Isabella Aigner

„Meine Assistentin kommt um 8 Uhr in die Wohnung, hilft mir beim Aufstehen, Zähneputzen und Anziehen. Ich entscheide wie meine Haare aussehen, was ich anziehen will, ob ich gebügelte Röcke haben will oder Hosen.“, Für Isabella Aigner neue Erfahrungen, die sie nicht mehr missen möchte.

Bernhard Schreiner

Kunde Bernhard Schreiner weist auf die Problme der knappen finanziellen Mittel hin und zeigt auf, wie abhängig behinderte Menschen auch von familiärer Unterstützung sind: „Es bereitet mir Bauchschmerzen, wenn ich daran denke, dass mich meine Eltern altersbedingt immer weniger unterstützen können.“, beschreibt er seine Lage.

Persönliche Assistenz als Beruf

Assistent_innen beim InterviewFür Persönliche Assistent_innen bedeutet Persönliche Assistenz primär einen Job und damit ein Einkommen zu haben. Es bedeutet für die Assistent_innen Stefan Reichert und Anna-Maria Geist Begleitung in allen Lebensbereichen. Sich selbst zurückstellen können und z.B. Arme und Beine zur Verfügung zu stellen, um Selbstbestimmung zu ermöglichen. Das kann durchaus und oft auch lustig sein, erzählt Anna-Maria Geist, wenn sie z.B. mit einer blinden Kundin Auto fährt, die ihr den Weg beschreibt.

 

 

Programm für die Zukunft

Den Höhepunkt des Abends bildete eine Podiumsdiskussion mit Vertreter_innen aus der Politik und aus der Selbstbestimmt-Leben Bewegung. Auch hier war die Frage nach einer bundeseinheitlichen Regelung für Persönliche Assistenz zentral.

SPÖ-Behindertensprecherin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte, dass fehlende Bewusstsein für die Notwendigkeit Persönlicher Assistenz und dass sie sich für diese Bewusstseinsbildung einsetzen würde. „Menschen sollten ihre Wohnformen frei wählen können“, betonte Dr. Franz-Joseph Huainigg, Behindertensprecher der ÖVP. Er wies darauf hin, dass Persönliche Assistenz auch in den Pflegefond aufgenommen werden könnte, um die Finanzierung zu sichern. Roswitha Schachinger betonte das Menschenrecht auf Persönliche Assistenz und dass es bei der Frage der Finanzierbarkeit auch um die Umverteilung finanzieller Mittel ginge. „Denn bei einem Heimplatz würde auch nicht gefragt, wieviel dieser kostet.“, so Schachinger.

Das Schlusswort des Abends lag bei Bernadette Feuerstein von Selbstbestimmt Leben Österreich und bildet Schluss und Startpunkt für die weitere Tätigkeit der WAG Assistenzgenossenschaft: „Betroffene müssen fordern was ihnen zusteht: Nämlich ein selbstbestimmtes Leben.“