Das Leben unterstützen

Die Furche, 29.11.2006

Die Furche: Eine Genossenschaft stiftet Nutzen für ihre Mitglieder. Hatten Sie bei der Umsetzung ihrer Ziele Schwierigkeiten?

Dorothea Brozek: Unser Problem war, dass wir eine Dienstleistung anbieten, für die es fast noch keine rechtlichen Grundlagen in den Sozialhilfegesetzen gab. Wir werden auch gleichzeitig durch unsere Arbeit (Persönliche Assistenz als Alternative zu Heimen für ein selbstbestimmtes Leben) zu einer Art Interessensvertretung, und treten nicht nur als Dienstleister auf. Seit unserer Gründung hat sich in unserem Bereich aber schon viel getan. Wir konnten die Zielgruppe sichtbar machen, das heißt alle Akteure der persönlichen Assistenz, nicht nur die Kunden, sondern auch die Assistenten, die für sie arbeiten. Und, nach zwei Jahren Arbeit, wurde vom Ministerium für Soziales eine Bundesrichtlinie für einen Teil der persönliche Assistenz erlassen.

Die Furche: Worin sehen Sie den Vorteil als Genossenschaft dem Österreichischen Genossenschaftsverband anzugehören?

Brozek: Wir profitieren vor allem vom Know-how-Transfer. Man wird umfassend betreut, sei es in Fragen der Betriebsführung oder in rechtlichen Belangen. Die Mitglieder tauschen sich aus und der Österreichische Genossenschaftsverband fungiert als Drehscheibe. Für mich ist die Genossenschaft die beste Rechtsform, vor allem im sozialen Bereich. Es ist die perfekte Alternative zu einem Verein. Die meisten stolpern bei einem Verein, wenn dieser eine bestimmte Größe erreicht hat, an banalen Fragen wie der Organisation. Bei einer Genossenschaft reicht im Vergleich zu einem Verein eine gute Idee nicht aus. Man muss ein komplettes Konzept vorlegen mit einem Finanz- und Unternehmensplan für die kommenden drei Jahre (inklusive Kalkulationen).

Die Furche: Die Genossenschaft passt ganz einfach zu Ihnen?

Brozek: Auf alle Fälle. Ich würde jederzeit wieder eine Genossenschaft gründen. Es ist eine ganz wunderbare Rechtsform mit einer flachen Hierarchie, die zugleich höchst professionell ist. Und auch die Revision, die alle zwei Jahre stattfindet und die Geschäfte prüft, ist sehr konstruktiv. Vor allem die öffentliche Hand sieht es gerne, wenn eine zweite Stelle prüft, was mit ihren Geldern passiert. Wir sind zwar unter den Ersten, die im Sozialbereich eine derartige Rechtsform gewählt haben, doch andere folgen sicher.

Weitere Informationen: http://www.furche.at

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Ein vom Bundessozialamt/Landesstelle Wien gefördertes Projekt aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

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